Chri Leitinger
06 Jul

Turm – Rapunzel´s Rache

 

Der Turm ist eine imposante, freistehende Felsformation am hintersten Ende des Brunntales. Der Normalweg von der südlichen Turmscharte erfordert immerhin eine Kletterei im Bereich 3+ im Aufstieg und einen nicht ganz banalen Rückweg. Die übrigen Anstiege von Schinko, Zacharias und Co. sind entweder leicht und herb brüchig oder deutlich schwerer, aber schon etwas in die Jahre gekommen. Daher halten sich die Einträge im Gipfelbuch, das 1962 hinterlegt wurde, sehr in Grenzen.

 

Nach langem Dornröschenschlaf hat sich nun am Turm wieder etwas getan. 2014 wurde Rapunzel´s Rache an der Westwand erstbegangen. Hannes und ich haben uns die Neutour angeschaut und gleich die erste Wiederholung abgestaubt 😉

 

Die 7 SL-Tour zieht recht schräg bis unter den Gipfelaufbau und endet (vorerst?) dort. Die Kletterei wechselt zwischen rauh, fest und henkelig bis hin zu bröselig, brüchig alpin. Im Gesamten eher etwas für alpin versierte Kletterer. Für all jene, die sich auch abseits von akribisch geputzten Plaisierloipen wohlfühlen und einen Tag in der Einsamkeit der Hochschwab Nordseite verbringen wollen aber auf alle Fälle einen Besuch wert! Achtung auf die Seilreibung (Halbseiltechnik angenehm) und den großen Block am Beginn der Schlüsselstelle.

 

Die Absicherung mit Bolts und Sanduhrschlingen ist an den schweren Stellen gut, im leichteren Gelände auch weitere Abstände oder mobile Sicherungsmittel. Die Standplätze sind zum Abseilen eingerichtet. Uns erschien die Abseilerei über die schräg verlaufende Tour zu umständlich. Daher sind wir weitere drei SL im leichten Gelände (2-3), Stand an Lärchen und Latschen, zum Gipfel geklettert.

 

Zustieg: Vom Parkplatz beim Brunnsee der flachen Forststraße erst an der rechten, nach der Querung des Bachbetts auf der linken Talseite folgen. Zuletzt steiler werden in Sepentinen bis an das Ende des Ziehweges. Weiter über einen Steig, der nach einem kleinen Sattel auf ein Schotterfeld hinabführt. Dieses queren und dem hier nur mehr schwach ausgeprägten Steig weiter aufwärts bis zu einer Jagdhütte folgen. Kurz nach der Hütte, noch vor der Quelle, weglos aufwärts links am Vorbau vorbei zum Einstieg (Schlinge). Flotte 2 Std. oder gemütliche 3 Std.

Zufahrt mit dem MTB wäre verlockend ist aber a) streng verboten und b) muss man am Taleingang unmittelbar am Jagdhaus vorbei… 🙁

 

Abstieg: Der Abstieg über den Normalweg erfordert absteigen/abklettern im brüchigen Schrofengelände bis zum 2. Schwierigkeitsgrad. Vom Gipfelkreuz Richtung Süden ca. 70m orographisch leicht linkshaltend in eine Rinne mit kurzen kaminartigen Stellen absteigen/abklettern bis man rechts ein Köpfel mit Schlinge sieht. Unmittelbar daneben befindet sich ein gebohrter Abseilstand. Von hier 50m abseilen und entweder Richtung SO-Kante traversieren und zur südlichen Turmscharte abklettern (2) oder von einer massiven Latsche (Reepschnur) noch einmal ins Kar abseilen.

 

Material: 8 Expressschlingen, BD Cam 0,4-1, 55m Halbseile

 

Danke an die Erstbegeher für das Topo!

Topo: Turm – Rapunzels Rache

 

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