Chri Leitinger
23 Nov

Stangenwand-Triple 16.-18.10.2018

 

Nachdem ich mir tags zuvor im Schrebergarten an der Hochschwab Südwand den A… abgefroren hab, war das Wetter für die kommenden Tage etwas freundlicher und vor allem wärmer angesagt. Durch die anhaltende Trockenheit kam mir wieder die oftmals feuchtelnde „Orientierung“ an der Stangenwand in den Sinn. Der „Weg der Jugend“ am Beistein könnte auch wieder mal trocken sein. Also rauf in das Rauchtal und schauen was geht. Mit dem noch immer nassen Lindner-Testpiece ist es nix geworden, stattdessen wurden es 36 alpine Seillängen ohne einen einzigen Zwischenbohrhaken an der Stangenwand. Wer braucht da noch die Dolomiten?

 

Tag 1
Stangenwand Ostgipfel – Orientierung, 6+ obl., 9 SL,

Neben der Neulandfieber, die zweite Tour der Gruber Brüder an der Stangenwand. Ganz im „Gruber-Stil“ ist die Orientierung eine herausfordernde Freikletterei, die mit nicht vorhandenen Zwischensicherungen glänzt. Auf den 9 SL gab es als fixes Material nur einen Standhaken. Mit Zustimmung der Erstbegeher haben wir nun die Standplätze mit Bohrhaken ausgestattet und einen Zwischenhaken geschlagen und belassen. Die übrigen Zwischensicherungen müssen nach wie vor selbst angebracht werden. Bis einschließlich der sechsten Länge geht das gut. Auf den letzten drei Längen muss auch von weniger guten Keilen oder Cams beherzt weggeklettert werden. Die letzte Länge, eine harte 6+, an teilweise brüchigen Fels, mit mäßigen Zwischensicherungen fordert noch einmal volle Konzentration. Über den „Gehsteig“ kann man diese Länge links umgehen. Der Fels ist bis auf die zwei leichten, grasigen Längen am Beginn und der Schlüssellänge großteils gut, die Linie logisch und die Kletterei gefällig.

 

Den Erstbegehern ist noch keine Wiederholung bekannt. Sie freuen sich jedenfalls, dass die Tour, sowie ihre anderen Erstbegehungen am Schwobn nicht ganz in Vergessenheit geraten sind.

 

Tag 2
Stangenwand Südwestwand, 5- obl., 14 SL,

Ein großer Klassiker an der Stangenwand, der nur mehr selten wiederholt wird. Liegt es daran, dass die klassischen Routen insgesamt weniger geklettert werden, an der eher dürftigen Absicherung oder an der mäßigen Felsqualität? Wie auch immer, es war wieder schön, diese abwechslungsreiche Tour zu klettern. Zugegeben, felsmäßig gibt es Besseres, aber es muss ja nicht immer 4-Sterne Fels sein. Den Großteil der Haken haben wir nachgeschlagen, zwei Standhaken ersetzt und eine SU- und eine Klemmblockschlinge ersetzt. Bei der Absicherung ist viel Eigeninitiative und Kreativität gefragt um die Kletterei einigermaßen sicher zu gestalten.

 

Tag 3
Stangenwand Südwestwand, SW-Direttissima, 6 obl, 13 SL,

Kaum bekannt – noch seltener geklettert. Oder, das Beste kommt zum Schluss!
1992 durch Gernot Staudinger, Franz Horich und Robert Goliasch erstbegangen, ist die Tour eine Kombination aus fünf neuen Seillängen im unteren Teil und mehreren bereits bekannten Routen im oberen Teil der SW-Wand.
Das Originaltopo hatte ich schon mehrere Jahre zu Hause rumliegen. Den Plan die Tour zu klettern gab´s eben solange. Bei der Begehung der SW-Wand war dann klar, dass ich die schöne Linie gleich am nächsten Tag klettern muss. Wir waren wirklich positiv überrascht von dieser schönen und abwechslungsreichen Tour. Sowohl felsmäßig als auch von der Linie hat mir die Direttissima besser gefallen als der Stanglpfeiler, die SW oder manch neuere Tour an der Stangenwand. Die Absicherung mit NH ist ok und lässt sich fast überall gut ergänzen. Obwohl es in der Tour nette Platten und schöne Risse hat, dominieren vor allem im oberen Teil sehr schöne Kamine die Kletterei. Oder wie der Erstbegeher im Topo vermerkt hat: „Für die Liebhaber von Kaminklettereien ein ausgesprochener Leckerbissen.“

Für uns ist klar, die Direttissima hat das Zeug zum echten Klassiker!

 

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