Chri Leitinger
21 Mär

Skitourenabenteuer am Baikalsee

 

Ende Februar 2018: Polare Kaltluft hat Mitteleuropa fest im Griff. Den Medien zufolge leidet ganz Österreich unter dem kältesten Februar seit Jahren. Und wir freuen uns, dass es bald zu unserer Erkundungstour Richtung Sibirien losgeht, wo wir mit noch tieferen Temperaturen rechnen. Mit von der Partie sind meine Freundin Katja, sowie Tourenkollegen aus dem Bregenzerwald und Allgäu.

 

Am 3. März, kurz nach Mittag hebt endlich unsere Maschine ins Ungewisse oder besser gesagt nach Irkutsk ab, wo wir nach einem Zwischenstopp in Moskau, am nächsten Morgen eintreffen. Unsere beiden Fahrer warten schon auf uns und so reisen wir bald darauf bei gemütlichen -26 Grad und entspanntem Tempo zum südlichsten Punkt des Baikalsees (flächenmäßig ungefähr so groß wie Steiermark, Kärnten und Burgendland zusammen) weiter. Eine endlos erscheinende weiße, weil zugefrorene und verschneite Ebene liegt vor uns.

 

Bei einem kleinen Hotel im sibirischen Nirgendwo treffen wir unseren lokalen Guide Sergey und einen Skidoo-Fahrer. Vor Ort gekaufte Lebensmittel und unser Gepäck werden mit dem Skidoo zu unserer Unterkunft für die nächsten Tage gebracht. Wir sind nach der langen Anreise froh, uns endlich wieder bewegen zu können und steigen die 10 km mit unseren Tourenskiern auf. Erfreut stellen wir fest, dass es mehr als genug Schnee gibt und obendrauf noch eine ordentliche Portion trockenen Pulver. Die Landschaft mit den tiefverschneiten Bäumen und den umliegenden Bergen ist grandios!

 

Unsere einfache Blockhütte ist noch etwas kleiner als erwartet und so bedarf es einiger Logistik bis wir alles unter Dach und Fach haben. Schon bald haben wir das eingeschränkte Platzangebot im Griff und so verlaufen die folgenden Tage stressfrei und ruhig oder besser gesagt heiter bis spaßig. Dafür sorgt nicht nur unsere Köchin Inga, die uns jeden Tag mit ausgezeichneter russischer Küche verwöhnt, sondern auch die absolut TRAUMHAFTEN Skitouren.

 

Da die Höhendifferenzen nicht umwerfend groß sind laufen die Tourentage immer ähnlich ab: ein längerer Aufstieg direkt von der Hütte weg und dann zwei bis drei Abfahrten und Wiederaufstiege, bis man zuletzt in einer längeren Abfahrt wieder zurück zur Hütte kommt. Das Gelände bietet viel Abwechslung: freie Hänge, lichte Waldabfahrten und steile Waldrinnen sorgen für jede Menge Vergnügen. Die ganze Woche treffen wir nur ein einziges Mal andere Tourengeher. So genießen wir täglich unverspurten Schnee, und das in top Qualität. Übrigens, habe ich schon erwähnt, dass die Landschaft grandios ist? Der Blick schweift immer wieder über unzählige Hänge und Kuppen zum riesigen Baikalsee.

 

Sergey, unser Guide, der nur gebrochen Englisch spricht ist ein echter Gebietskenner und findet immer die passenden Abfahrten für uns. Standardmaßnahmen, wie z.B. Entlastungsabstände oder geländeangepasst Spuranlage sind aber nicht so seine Sache. Seine, für uns nicht immer nachvollziehbare, weil unschlüssige Lawinenstrategie nehmen wir mit einer Portion Vorsicht und Skepsis zur Kenntnis. So heißt es selbst wachsam bleiben, die Schneedecke zu beobachten, Entscheidungen zu treffen und die oft viel zu steile Spur komfortabler anzulegen. Spätestens hier ist es ganz gut Russisch zu beherrschen um sich mit Sergey abzusprechen und wenn nötig das eine oder andere Veto einzulegen.

 

Die Abende verbringen wir dank mangelndem Handyempfang mit echter Kommunikation, Essen, (Vodka-) Trinken, Kartenspielen und ausgiebigen Besuchen in der selbstgebauten Banja. Nach allerspätestens drei Aufgüssen ist man auch bei -20 Grad bereit in das etwa +2 Grad „warme“ Wasser des angrenzenden Teiches zu springen und der Körperpflege nachzugehen.

 

Die Tage in der sibirischen Einsamkeit, reduziert auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, weit weg vom lauten und hektischen Alltag gehen viel zu schnell vorbei. So nehmen wir nach sechs perfekten Tourentagen mit viel Sonnenschein und sibirischen Pow-Pow Abschied und fahren zurück in die Zivilisation. An den verbleibenden zwei Tagen stehen noch der Besuch des neuen Biosphärenparks am Ufer des Baikalsees und eine sehr interessante Führung durch die Altstadt von Irkutsk am Programm. Abgerundet wird die Zeit in Irkutsk mit kulinarischen Highlights aus der Region und den umliegenden Ländern.

 

Fazit: unsere hohen Erwartungen an diese Skireise wurden eindeutig übertroffen. Die Touren in der Weite Sibiriens, zusammen mit super Wetter und Schnee waren einfach top! Da fallen die Abstriche in punkto Komfort und die zeitintensive An- und Abreise nicht ins Gewicht.

 

Hier geht es zum kurzen Video unseres Abenteuers:

Skitourenabenteuer am Baikalsee

 

Die Termine für die kommende Saison sind schon fixiert:

9. – 17.12.2018

24.2. – 5.3.2019

 

Mehr zu dieser geführten Tour und zum Saisonstart in Sheregesh/Sibirien findest du hier:

Skireisen Sibirien

 

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