Chri Leitinger
04 Jun

Rettenwand – Wilde Nummer & Tabula Rasa

Nachdem es am Hochschwab schnee- und wettertechnisch wieder einmal nicht so gut ausgesehen hat, habe ich mit Tom die Rettenwand als Ausweichziel angesteuert.

 

Als erstes sind wir in die neue Mehrseillängenroute „Wilde Nummer“ eingestiegen. Der Routenname trifft die Kletterei ob des oft unsicheren Gesteins recht treffend. Obwohl reichlich geputzt wurde, hat man oft das Gefühl demnächst mit einem Griff oder einer ganzen Schuppe abzugehen. Die Tour ist gut bis sehr gut mit HSA abgesichert wobei die Haken immer so stecken, dass eine möglicherweise ausbrechende Schuppe nicht auf das Seil fällt. Die Bewertung (7+) ist dankbar, da sich die erst unübersichtlich wirkende Schlüsselstelle ganz gut aufgelöst. Alpinkletterer mit etwas Brucherfahrung finden hier eine durchaus interessante wenn auch wilde Kletterei. Dem reinen Sportkletterer wird’s wohl eher die Nackenhaare aufstellen…

 

Nach der „Wilden Nummer“ haben wir noch dem Rettenwand-Klassiker „Tabula Rasa“ einen Besuch abgestattet. Nach der vorangegangenen Tour kam hier schon fast 4-Sterne Plaisierfeeling auf 😉  Aber im Ernst: die Kletterei ist definitiv besser als ihr Ruf und die Dreckschicht, die im Frühjahr den Fels großflächig überzogen hat wurde mittlerweile vom Regen gut abgewaschen. So findet man hier nach der noch etwas brüchigen Einstiegslänge lässige Leistenkletterei mit einem luftigen Finale.

 

Fazit: Die „Tabula Rasa“ ausprobieren und wer sich hier noch wohlfühlt kann durchaus in die „Wilde Nummer“ einsteigen. Wem das noch zu wenig ist kann ja noch die „Bitterschoklad“ dranhängen…

 

Topos zu den oben beschriebenen Touren sind im aktuellen Berglandführer aus dem Schall-Verlag zu finden.

© chrileitinger.at 2013