Chri Leitinger
21 Mär

Gebietscheck Krasnaya Polyana / Sochi

 

Oleg, ein Geschäftsmann, mit dem ich seit meinem Studium an der Voronezh State University befreundet bin, hat mich nach Sochi zum Skiurlaub eingeladen. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Die Ankunft am Flughafen ist etwas skurril: Meerblick, überall Palmen und 15 Grad Plus – keine Spur von Winter. Sein Fahrer bringt uns aber in einer knappen Stunde nach Krasnaya Polyana, dem Austragungsort der Alpinen Bewerbe bei der letztjährigen Olympiade. Unser Hotel überrascht mit westlichen Standard und ausgezeichnetem Service – eher Ausnahme als Regel in Russland. Nur der „russische Disneyland-Style“, in dem auch 90% der übrigen Hotels gebaut wurden wirkt etwas eigenartig.

 

Die folgenden sechs Tage verbringen wir in den Skigebieten Rosa Khutor, Alpika Service und Gornaya Karusel, die nur wenige Autominuten vom Hotel entfernt liegen. Doppelmayr und ein französisches Unternehmen haben hier ganze Arbeit geleistet und so geht es meist sehr komfortabel nach oben. Der Ausblick von den Bergstationen zum Schwarzen Meer und zum Grenzkamm Richtung Abchasien ist atemberaubend. Da es in den Tallagen recht warm und so eine Beschneiung kaum möglich ist, spielt sich das eigentliche Skifahren in Höhenlagen zwischen 900 m und 2400 m ab. Die Pistenverhältnisse sind vom Feinsten! Der trockene Schnee ist extrem griffig, bestens präpariert und zudem gibt es kaum eisige Stellen und auch nachmittags noch keine Buckelpiste.

 

Das Beste sind aber die Variantenabfahrten, vor allem in Rosa Khutor. Unzählige Couloirs, die man teilweise direkt über die Piste oder über einen kurzen Aufstieg erreicht, lassen das Herz höherschlagen. Vom einfachen und recht breiten Jureev-Couloir bis zum sehr schmalen und über 50 Grad steilen „Suizid“-Couloir mit 600 m Höhendifferenz ist alles dabei. Gefahren wird, bis nachmittags die Oberschenkel den Dienst verweigern…

 

Da der letzte Schneefall schon eine Woche her ist, müssen wir zum Powdern etwas mehr Zeit investieren, was sich aber wirklich lohnt. Kaum ist man 20 Minuten vom Skigebiet entfernt hat man ganze Kare für sich alleine. Weiter oben freie Hänge, unten lässige Tree-Runs die noch entspanntes Schwingen erlauben.

 

Was mich besonders freut: es vergeht kaum ein Tag an dem ich nicht irgendein bekanntes Gesicht treffe. Zwei russische Freeride Guides kenn ich vom Bergsteigen im Besengi, ein Freund aus Voronezh arbeitet beim Lawinendienst, zwei Mädels aus Sochi hab ich vor Jahren auf einem Bergsteigerfestival am Belaya Gora kennengelernt, Svetlana aus Moskau am Mt. Blanc… So gibt es neben Infos aus erster Hand auch genug Gründe zum Feiern!

 

Die Woche vergeht viel zu schnell, aber da ich schon einmal im Kaukasus bin, möchte ich mir auch noch das Skigebiet am Fuße des Elbrus anschauen. So geht es mit Zug und Bus in 18 Stunden auf die andere Seite des Kaukasus. Mehr davon demnächst!

 

PS: eine organisierte Varianten- und Skitourenwoche in Krasnaya Polyana für 2016 ist bereits in Planung!

 

© chrileitinger.at 2013