Chri Leitinger
15 Jul

Eiger – Mittellegigrat

 

Zwischen zwei Führungswochen in Chamonix ist Zeit geblieben um endlich einmal den Mittellegigrat auf den Eiger zu klettern. Geplant hatte ich die Tour mit einer Freundin, die es beruflich in die Schweiz verschlagen hat, ja schon vor zwei Jahren. Aber wie es halt so ist, hat das Wetter nie mitgespielt. Dieses Mal waren wir aber sehr zuversichtlich als wir die Jungfraubahn an der Station Eismeer verlassen haben.

 

Der Hüttenzustieg dauert zwar nur 2 Stunden, hat es aber etwas in sich. Erst muss der, durch Eisschlag bedrohte Chalifirn gequert werden, ehe man über zwei Seillängen im 3.-4. Schwierigkeitsgrad auf ein schottriges Bändersystem kommt, das nicht ganz offensichtlich zur kleinen aber feinen Mittellegihütte führt.

 

Über Nacht hat der Wind soweit zugenommen, dass um 5 Uhr morgens an einen Aufstieg nicht zu denken war. Außerdem war die Sicht durch starken Nebel auf wenige Meter eingeschränkt. So haben wir den Tag auf der Hütte mit Faulenzen, Lesen und Holzhacken verbracht…

 

Am nächsten Morgen dann perfektes Wetter: wenig Wind, sternenklar und nicht zu kalt. Um 4 Uhr 30 ging es dann über den gleich ordentlich ausgeprägten Grat Richtung Gipfel. Erst recht flach, steilt sich die Kletterei bald merklich auf, wobei es an den schwierigsten Stellen teilweise dicke Fixseile gibt. Der Fels ist zwar immer wieder einmal etwas brüchig, aber großteils wirklich fest und griffig. So macht die Kletterei richtig Spaß! Kurz unterhalb des Gipfels haben wir dann auf Steigeisen und Pickel gewechselt und sind der gut gefrorenen Spur über den scharfen Schneegrat auf den Gipfel gefolgt, den wir etwas überraschend schon nach 3 Stunden erreicht haben. Bei der verdienten Gipfelrast blieb genug Zeit, den Blick über die umliegenden 4000er des Berner Oberlandes schweifen zu lassen.

 

Nach der Pause ging es mit leichter Felskletterei und ein paar Abseilern über den Südgrat hinunter zum ersten Schneefeld wo wir wieder die Steigeisen angezogen haben. Der Weiterweg über die Eigerjöcher war ein ständiges Rauf und Runter im Wechsel zwischen Fels und Schnee, wobei die Felsqualität im Vergleich zum Mittellegigrat nicht mehr so schön war. Die Kletterei blieb aber allemal interessant und kurzweilig. Zuletzt gab es noch eine leichte Gletscherwanderung mit kurzem Gegenanstieg zurück zur Jungfraubahn, die wir in etwa 3,5 Stunden Gehzeit ab Gipfel erreicht haben.

 

Fazit: für mich eine der schönsten und abwechslungsreichsten Grattouren die ich in den Westalpen bisher unternommen habe, garniert mit einer wirklich feinen Hütte in Traumlage! Gründe genug um die Tour nächstes Jahr in mein Hochtourenprogramm aufzunehmen.

 

 

© chrileitinger.at 2013